April 30, 2019 Kathrin Hanzl

Vom Konstruktivismus und der Nutzenfreundschaft

Public Relations Flughafen Wien

Medien bestimmen worüber die Bevölkerung spricht und die Politik debattiert – sie tragen durch jegliche Berichterstattung zur Meinungsbildung bei. Journalistinnen und Journalisten wird hiermit eine immense Verantwortung zugeschrieben. Die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten wird durch ihre Umwelt beeinflusst, beispielsweise durch Erfahrungen sowie durch Public Relations Manager. Kompetente PR-Verantwortliche geben mittels professionell aufbereiteter Öffentlichkeitsarbeit den nötigen Spin mit und prägen damit die Berichterstattung.

Die tägliche Berichterstattung in den unterschiedlichsten Channels der Medienindustrie beeinflusst das Agenda Setting der Wirtschaft, der Politik sowie der Kultur. Die von Journalistinnen und Journalisten aufgezeigten Probleme und Missstände bekommen Gehör und verschaffen sich durchaus schnell, bei ausreichendem Interesse der Opposition, Zugang in den Nationalrat. Immerhin ist bereits die Unterstützung von fünf Nationalratsabgeordneten, inklusive dem Antragsteller, ausreichend, um einen Antrag im Nationalrat einzubringen. Debattiert wird darüber jedoch nicht nur in politischen Kreisen, sondern auch in der breiten Öffentlichkeit: In der traditionellen Kaffeehausrunde, am Arbeitsplatz und vor allem in den sozialen Medien. So passiert es auch nicht selten, dass der öffentliche Druck auf wirtschaftliche Schlüsselpersonen oder auf Politikerinnen oder Politiker so groß wird, dass Konsequenzen, wie beispielsweise ein Rücktritt, innerhalb weniger Augenblicke gezogen werden. Der Journalismus prägt also die Gesellschaft und das soziale Zusammenleben: Denn Themen, die in der Zeitung abgedruckt und im Radio on-air sind, oder sich in den abendlichen TV-Nachrichten widerfinden, über die wird gesprochen. Ja, sogar philosophiert und debattiert. Dementsprechende Bedeutung wird heutzutage einer kompetenten Presse- und Medienarbeit zugeschrieben. Nicht gleichzusetzen mit der Public Relations (PR) – verdeutscht Öffentlichkeitsarbeit – die mittels strategischer Kommunikation eine Beziehung zu einer definierten (Teil-)Öffentlichkeit entwickelt. Hierzu zählt, neben der Presse- und Medienarbeit – auch Media Relations genannt – Public Affairs, Investor Relations, Customer Relations und zahlreiche weitere Dialogfelder.

Von der Kommunikationsethik und dem Konstruktivismus

Medien haben große Wirkung auf die Öffentlichkeit und können breitenwirksam informieren sowie Aufklärungsarbeit leisten. Ereignisse werden von Journalistinnen und Journalisten subjektiv wahrgenommen und nach bestem Wissen und Gewissen objektiv widergegeben. Ein Widerspruch in sich. Denn durch die Wahrnehmung bilden Journalistinnen und Journalisten bereits eine Meinung und gehen mit jener Einstellung an die Recherche heran. Von absoluter Objektivität somit keine Spur. Wissenschaftlich wird dies durch den Konstruktivismus, der an der Übereinstimmung von Wissen und Wirklichkeit zweifelt, unterstrichen. So geht die Theorie davon aus, dass jedes Individuum für sich eine Wirklichkeit, basierend auf kulturellen und sozialen Erfahrungen, produziert. Jede Beobachtung und kontextuale Auffassung ist vom Beobachter abhängig. Meist sind Journalistinnen und Journalisten Beobachter zweiter Ordnung – nämlich beobachten sie häufig nicht das Geschehen direkt, sondern greifen auf Pressemeldungen und Interviewpartner zurück. Mit der Berichterstattung konstruieren Journalistinnen und Journalisten die Wirklichkeit, die wiederum Rezipientinnen und Rezipienten zur Wirklichkeitsbildung dient. Ein hohes Maß an Kommunikationsethik ist deshalb wünschenswert. Einen Automatismus für die Herstellung von Ethik schafft der Konstruktivismus jedenfalls nicht. Jedoch ist der Wissenschaftler Ernst von Glaserfeld der Meinung, dass jegliche Verantwortung dem jeweils schaffenden Individuum zuzurechnen ist. Damit liegt ethisches Handeln im Verantwortungsbereich von Individuen und damit bei den Publizierenden. Journalistinnen und Journalisten verfügen (meist) über das Können sich grundsätzlich in die Meta-Ebene, also eine übergeordnete Ebene, zu versetzen und das zu recherchierende Thema kritisch zu hinterfragen – losgelöst von der eigenen Meinung. Genau hier kommt Media Relations ins Spiel – denn, kann ein(e) PR Manager(in) bei Journalistinnen und Journalisten einen positiven Eindruck über ein Produkt oder Service, über eine Institution, eine Person oder über ein spezielles Happening schaffen, wird die Recherche dadurch geprägt sein. Folglich kann eine, auf Fakten basierende, positive, neutrale oder negative Berichterstattung erfolgen. Es liegt im freien Ermessen der Journalistinnen und Journalisten in welcher Form und mit welcher Tonalität ein Thema medial transportiert wird.

Die Beziehung zu Journalisten: Eine Nutzenfreundschaft

In der Presse- und Medienarbeit steht also die Beziehung zu Journalistinnen und Journalisten im Mittelpunkt. So geht es darum einen Kontakt herzustellen, eine „Nutzenfreundschaft“ zu entwickeln und diese zu pflegen. Hat einer der beiden Kommunikationspartner kein Interesse an einem Informationsaustausch, so findet kein Dialog statt und die Freundschaft verliert ihr Überlebenselixier, den Nutzen. Dadurch ist jene Art der Freundschaft nichtig – es sei denn sie ist bereits zuvor zu einer vollkommenen Freundschaft, bei welcher der Charakter des Gegenübers geliebt wird, herangewachsen. Entwickelt wurde der Freundschaftsbegriff „Nutzenfreundschaft“ von Aristoteles in der „Nikomachischen Ethik“ als einen von drei Freundschaftsarten.

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Kathrin Hanzl

Kommunikationsenthusiast(in).